Vom vertrockneten Rasen zur blühenden Oase: Neues Magerbeet mit Sandarium in Heidelberg-Kirchheim

Was passiert, wenn eine ausgetrocknete Rasenfläche nicht länger gegen die Natur arbeitet, sondern mit ihr? In Heidelberg-Kirchheim entsteht genau daraus ein neues ökologisches Kleinod: Auf einer rund 90 Quadratmeter großen Grünfläche an der Oberdorfstraße wird ein artenreiches Magerbeet mit integriertem Sandarium angelegt. Ziel ist es, einen nachhaltigen Lebensraum für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten zu schaffen und gleichzeitig einen attraktiven Aufenthaltsort für die Nachbarschaft zu gestalten.

Warum ein Magerbeet?

Die bisherige Fläche bestand überwiegend aus Rasen. Ohne regelmäßige Bewässerung vertrocknete dieser in den Sommermonaten und verlor sowohl seinen ökologischen als auch seinen gestalterischen Wert. Die vorhandene Bewässerungsanlage eines früheren Rosenbeets existiert längst nicht mehr. Statt weiterhin auf eine wasserintensive Lösung zu setzen, fiel die Entscheidung für eine naturnahe und klimaangepasste Alternative.

Ein Magerbeet bietet viele Vorteile:

  • Deutlich geringerer Wasserbedarf
  • Hohe Artenvielfalt durch heimische Wildstauden
  • Attraktive Blüte vom Frühjahr bis in den Herbst
  • Weniger Pflegeaufwand als klassische Staudenbeete
  • Wertvoller Lebensraum für spezialisierte Insektenarten

Das Konzept: Naturgarten für Mensch und Tier

Kernstück des Projekts wird ein Sandbeet mit rund 400 trockenheitsverträglichen Pflanzen auf etwa 91 Quadratmetern Fläche. Die Pflanzenauswahl umfasst über 30 verschiedene Arten, darunter Küchenschelle, Karthäuser-Nelke, Steppensalbei, Aufrechter Ziest, Bergaster, Sand-Thymian und Edel-Gamander. Ergänzt werden die Blühpflanzen durch strukturgebende Gräser wie Federgras und Schafschwingel.

Die Pflanzung wurde so zusammengestellt, dass vom zeitigen Frühjahr bis in den Oktober hinein immer etwas blüht. Dadurch entsteht nicht nur ein attraktives Erscheinungsbild über viele Monate hinweg, sondern auch ein kontinuierliches Nahrungsangebot für bestäubende Insekten.

Die Pflanzflächen wurden gezielt nach Standortbedingungen aufgeteilt. Während die westliche Seite vollsonnig liegt, erhält die östliche Seite am Vormittag etwas Schatten. Dadurch können unterschiedliche Pflanzen optimal eingesetzt werden. Insgesamt entstehen abwechslungsreiche Blühinseln mit verschiedenen Höhen, Farben und Blühzeiten.

Ein Zuhause für Wildbienen: Das Sandarium

Ein besonderes Highlight des Projekts ist das geplante Sandarium. Dabei handelt es sich um einen Bereich mit bindigem Sand, in dem bodennistende Wildbienen ihre Brutröhren anlegen können. Ergänzend werden Totholz und Steine als weitere Strukturelemente integriert. So entstehen unterschiedliche Mikrohabitate für zahlreiche Tierarten.

Anders als herkömmliche Insektenhotels unterstützt ein Sandarium genau die Lebensweise vieler heimischer Wildbienenarten, die auf offene Bodenflächen angewiesen sind und zunehmend geeignete Nistplätze verlieren.

Projektantrag und Förderung

Die Idee für das Projekt stammt von unserem neuen Vereinsmitglied Sebastian Fichtner. Innerhalb von „Kirchheim bewegt“ stieß der Vorschlag sofort auf großes Interesse und offene Ohren. Schnell war man sich einig, die Initiative zu unterstützen und gemeinsam umzusetzen.

Entscheidend für die Realisierung des Vorhabens war die großzügige Förderung durch das Stadtteilbudget, durch die die Finanzierung des Projekts überhaupt erst möglich wurde. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass das Projekt von Sebastian Fichtner persönlich initiiert wurde. Auch die Beantragung der Fördermittel sowie die Abstimmungen mit der Stadt Heidelberg hat er in eigener Verantwortung als Privatperson übernommen. Sein Engagement hat maßgeblich dazu beigetragen, dass aus einer Idee nun ein konkretes Natur- und Artenschutzprojekt werden kann.

Alle Infos zum Projekt auch unter: https://kirchheim-bewegt.de/projekte/projekt-sandarium/

Die Umsetzung: Gemeinsam anpacken

Die Realisierung erfolgt in Zusammenarbeit mit Sebastian Fichtner und dem Verein Kirchheim bewegt e.V. sowie freiwilligen Helferinnen und Helfern aus der Nachbarschaft. Geplant sind mehrere Arbeitseinsätze zwischen Ende Oktober und Mitte November. Dabei werden zunächst die Steineinfassung und die Zaunanlage vorbereitet, anschließend Natursteine gesetzt, Sand eingebracht und schließlich das Beet bepflanzt.

Freiwillige Helfer können sich gerne zu den Arbeitseinsätzen eintragen unter: https://lukify.app/yjdzhw

oder den QR code scannen…. wir freuen uns auf viele fleissige Helfer!

Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:

  • Anlage einer Naturstein-Einfassung
  • Einbringen von 20 bis 30 Zentimetern Magersubstrat
  • Aufbau eines Sandariums
  • Pflanzung von rund 400 Wildstauden
  • Integration von Totholz- und Steinstrukturen
  • Errichtung eines niedrigen Staketenzauns
  • Aufstellen einer Informationstafel für Besucherinnen und Besucher

Mehr Biodiversität direkt vor der Haustür

Das Projekt zeigt beispielhaft, wie öffentliche Grünflächen an die Herausforderungen des Klimawandels angepasst werden können. Statt regelmäßig vertrocknender Rasenflächen entstehen Lebensräume, die langfristig mit wenig Pflegeaufwand auskommen und gleichzeitig einen hohen ökologischen Nutzen bieten. [

Besonders erfreulich ist dabei das starke Engagement aus der Nachbarschaft. Nur durch die Unterstützung vieler Helferinnen und Helfer kann aus einer unscheinbaren Fläche ein lebendiger Naturgarten werden, der Mensch und Natur gleichermaßen zugutekommt.

Ausblick

Bereits im ersten Jahr werden die ersten Blüten erscheinen. Die volle Pracht eines Magerbeets entwickelt sich jedoch über mehrere Vegetationsperioden. Mit jedem Jahr wird die Fläche strukturreicher, artenreicher und ökologisch wertvoller.

Wir freuen uns darauf, die Entwicklung des Beets zu begleiten und regelmäßig über Fortschritte, Blüherfolge und die ersten tierischen Bewohner zu berichten.

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